Per Knopfdruck in die Zukunft

Schon jetzt wissen, was morgen passiert? Für viele von uns bleibt das ein frommer Wunsch. Doch im Digital Base Camp von Linde wird er Realität. Das Team des Zukunftslabors arbeitet wie ein Startup, kombiniert die Kraft von Daten mit kreativen Ideen – und macht damit so manche Vision wahr.

Auf dem Linde Campus in Pullach sind Vergangenheit und Zukunft eng verknüpft. Genauer gesagt liegen sie nur eine Fahrstuhlfahrt voneinander entfernt. Im Untergeschoss eines der ältesten Gebäude auf dem Werksgelände ruht das Linde Konzernarchiv – und es hütet ein großes Vermächtnis. Hier lagern Dokumente und Originalaufnahmen aus rund 140 Jahren stolzer Unternehmensgeschichte. Eine Geschichte, die mit der Urkunde der von Carl von Linde 1879 gegründeten Gesellschaft für Lindes Eismaschinen AG begann. Und die im obersten Stockwerk des Hauses in den hellen Hallen eines ehemaligen Zeichensaals für Industrieanlagen fortgeschrieben wird.

Vergangenheit und Zukunft unter einem Dach

Ingenieure fertigten hier oben bis in die 1990er Jahre per Hand technische Zeichnungen von Gasanlagen und Luftzerlegern an. Der innere Antrieb, die Dinge groß und neu zu denken, ist jedoch bis heute spürbar: 2016 hat Linde in den Räumen das Digital Base Camp gegründet – einen Accelerator, dessen innovatives Team aus Entwicklern, Daten-Experten und Kreativen den Traditionskonzern mit datengestützten Geschäftsideen in die digitale Zukunft führt.

Es herrscht reges Treiben in diesem Raum der Ideen. Eine Besuchergruppe aus China schart sich um eine High-Tech-Drohne, die auf ihren Jungfernflug wartet. Virtual Reality-Equipment zeugt vom Aufbruch in neue Welten. Pressspanwände mit farbigen Post-its markieren den Weg dorthin. Eine offene Küche lädt zum Tech Talk. Es ist viel Platz in dieser Zukunftswerkstatt – für disruptive Ideen und für die Menschen, die sie entwickeln. Welche Köpfe stecken hinter dem Projekt? Und wie treiben sie den Wandel voran?

Digital Base Camp 1
Digital Base Camp 2

User Experience, die der Kunde liebt

Im Digital Base Camp arbeiten Digitalisierungsteams unter anderem daran, das Kerngeschäft von Linde – Produktion und Vertrieb von Industriegasen und nicht zuletzt das weite Feld des Anlagenbaus – um digitale Services zu erweitern. Die Ideen dazu kommen von den Experten aus den Geschäftsbereichen des Technologiekonzerns – und werden gemeinsam mit der Crew aus dem Camp zu digitalen Produkten weiterentwickelt. Apps etwa können helfen, Prozesse schneller und effizienter zu machen. So bieten sie sowohl Linde als auch seinen Kunden einen klaren Nutzen. Die Basis vieler Projekte bilden Daten, die Linde bereits besitzt und für das Geschäft von immensem Wert sind. Die Vordenker im Digital Base Camp arbeiten fieberhaft daran, mit kreativen Ideen aus Big schließlich auch Smart Data zu machen. Oder um die Mission des Camps mit den Worten von Philipp Karmires, Leiter Digitalisierung bei Linde, zu beschreiben: „Im Zentrum unserer Aktivitäten steht eine Frage: Wie können wir die Daten, über die Linde verfügt, nutzen, um unseren Kunden zu helfen und für Linde neue Geschäftsfelder aufzubauen?“

So hat das Team von Karmires in enger Zusammenarbeit mit dem Kerngeschäft von Linde etwa die LIPROTECT® App auf den Weg gebracht. Diesen digitalen Ersatzteil-Marktplatz stellt Linde seinen Industriegaskunden zur schnelleren Instandsetzung ihrer Anlagen bereit. Bauteile werden damit nicht mehr händisch per Strichliste und Excel-Tabelle, sondern per Fingerwisch auf dem Display erfasst. Für Kunden ist das bequem. Doch es steckt noch mehr dahinter. „Im Kern geht es um zwei Dinge. Erstens: eine Anwendung mit einer User Experience zu kreieren, die der Kunde liebt“, erklärt Mathias Mostertz, Senior Business Development Manager. „Zweitens: Nachzuweisen, dass er damit signifikante Einsparungen in Form von Zeit oder Kosten hat.“

Spielerische Denke trifft Unternehmergeist

Die Digital Natives bei Linde arbeiten an bis zu drei Projekten parallel. Seit Gründung des Digital Base Camp haben sie rund 40 davon umgesetzt. Eine entscheidende Rolle für diese Erfolgsquote spielt ihre Arbeitskultur: Das Camp versteht sich als Accelerator innerhalb Linde. Was das heißt? In der ersten Stufe investiert Karmires‘ Team für drei Monate Zeit und Know-how in eine digitale Geschäftsidee – um herauszufinden, ob sie in der Praxis funktioniert. Softwareentwickler und UX-Designer bauen auf Basis der verfügbaren Daten und der Business-Idee einen Prototyp – wie im Fall der LIPROTECT® App. Dieser wird in realen Szenarien mit dem Kunden getestet. Wenn die Anwendung den Kunden überzeugt und den gewünschten Nutzen bringt, schafft sie es in die zweite Entwicklungsstufe – die Pilotierungsphase, in der sie kommerzialisiert wird. Bei der LIPROTECT® App zahlte sich dieser „Hochgeschwindigkeits-Ansatz“ aus: Von der ersten Idee bis zur Produkteinführung dauerte die Umsetzung nur sieben Monate.

Ein Team aus Data-Scientists hat in einem weiteren Projekt geschafft, was für viele von uns immer Utopie bleiben wird: in die Zukunft zu blicken. Im Rahmen von Predictive Maintenance nutzt Linde Daten, die Sensoren in Gasanlagen kurz vor dem Defekt einer kritischen Komponente – z.B. eines Kompressors – generiert haben. So kann Linde statistisch vorhersagen, wann das Bauteil ausfällt – und es proaktiv reparieren. Die Vorteile sind enorm, vor allem für eine Branche, die keinen Stillstand duldet.

Willkommen im Ideenbeschleuniger!

Probieren geht über Studieren! Die Teams im Digital Base Camp schaffen die Synthese aus beidem. Es ist die Mischung aus spielerischer Denke und unternehmerischer Mentalität, die Mostertz und seine Mitstreiter neue Wege gehen lässt. Dies führt zu außergewöhnlichen Lösungen, mit denen Linde sein Portfolio an digitalen Services ausbaut. „Schon Firmengründer Carl von Linde war Unternehmer durch und durch – und genau diesen Geist leben wir hier,“ meint Mostertz. Damit schließt sich im Raum der Ideen der Kreis zwischen gestern und morgen.

Digital Base Camp 3